Einige Gedanken zur Strukturreform der Landesforstverwaltung
in Sachsen-Anhalt
Die Zeiten, wo die deutsche Forstverwaltung bei 1/3 Kosten
2/3 Gewinn en die Kommunen und Finanzminister abliefern konnten,
liegen fast 100 Jahre zurück. Kein Wunder, dass die
Forstpartie in dieser Zeit gern gesehen war. Das Bild hat sich in
den letzten 40-50 Jahren wesentlich verändert, seitdem die
Forstwirtschaft immer mehr bei den Jahresabschlüssen zu
roten Zahlen gekommen ist. Über Rationalisierung,
Mechanisierung und Technisierung hat man versucht, die
Rentabilität der Betriebe wieder herzustellen bzw.
anzustreben. Die damit verbundenen Strukturveränderungen
haben vielfach für Unruhe, Unzufriedenheit und soziale
Unsicherheit geführt und tun es noch heute.
Eine Untersuchung zur Waldentwicklung und Forstgeschichte im
Forstamt Nedlitz hat 2001 gezeigt, dass
Strukturveränderungen in der Forstwirtschaft fast so alt
sind, wie die Forstwirtschaft selbst. Ihre Zahl der
Veränderungen bezogen auf unsere Zeit hat laufend zugenommen
und die Zeitintervalle sind immer kürzer geworden. Ende des
18. Jahrhunderts/Anfang des 19. Jahrhunderts bis etwa 1850 waren
Strukturveränderungen bedingt durch den Kauf von über
3.000 ha Wald-, Acker- und Hutungsflächen und deren
Aufforstung. Diese Waldzunahme erforderte eine neue
Arbeitsorganisation zur Bewältigung dar anstehenden
Aufgaben. Während die Organisationsänderungen ab 1815
bis 1932 in zeitlichen Abständen von 15-25 Jahren erfolgten,
verkürzten sich die Zwischenräume von 1932-1998 auf
3-14 Jahre. In der Zeit von 1945 bis 2000 sind wenigstens 10
Veränderungen der Flächen, Grenzen, Aufgaben,
Organisation etc. zu registrieren. In diesen 55 Jahren sind also
statistisch alle 5,5 Jahre Veränderungen eingetreten.
Insofern stellen die heutigen Reform-Diskussionen nichts Neues
darf, sondern sie sind eine Fortsetzung dessen, was wir in
unserem eigenen Försterleben bereits hinter uns haben.
Die Geschichte der Reviere im Forstamt Nedlitz, insbesondere
der Landeswaldreviere, ist eine Geschichte der laufenden Grenz-
und Organisationsveränderungen. Als beständig haben
sich eigentlich nur die alte Landesgrenze zwischen Preußen
und Anhalt sowie die Gemeindegrenzen in der Vergangenheit
erwiesen.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Veränderungen der
forstlichen Organisation immer auf der Tagesordnung standen. Aber
alle Betroffenen hatten bei jeder neuen Strukturreform immer die
Hoffnung, dass es nun die Letzte und Richtige sei. Da sich die
Erde aber immer weiter dreht, ist zu erwarten, dass sich auch das
forstliche Karussell in Zukunft weiterdrehen wird. Hoffnungsvoll
macht dabei nur der Gedanke: Der Wald ist trotz, vielleicht auch
wegen der vielen Strukturveränderungen immer noch da, er hat
sich meist zum Positiven entwickelt; es hat nur immer die
Menschen ge- oder betroffen!
Die ab 01. 01. 2002 beschlossene Bildung eines Landesbetriebes
nach § 26 Abs.1 LHO ”Landesforstbetrieb
Sachsen-Anhalt” beendet nun die jahrelange Diskussion um
den Weg, den die Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt zukünftig
einschlagen wird. Wenn dem Landesforstbetrieb eine weitgehende
Finanz- und Personalhoheit gegeben wird, die finanziellen Mittel
für die hoheitlichen Aufgaben bereitgestellt werden, kann
man erwartungsvoll auf ein ”wirtschaftliches”
forstliches Arbeiten in Zukunft hoffen. Über den Sitz des
Landesforstbetriebes in Wanzleben gibt es Diskussionen wegen des
fehlenden forstlichen Umfeldes. Nüchtern betrachtet gibt es
zwischen einem Sitz in Magdeburg oder Wanzleben keinen
Unterschied. Beiden fehlt das forstliche Umfeld, aber beide
liegen für Sachsen-Anhalt zentral und sind zumindest
über die Straße gut erreichbar. Es ist ja auch kein
Geheimnis mehr, dass die Belegung des ehemaligen Landratsamtes in
Wanzleben mit einer Landesbehörde eine politische
Entscheidung ist.
Diese politische Entscheidung sollte auch angemahnt werden, wenn
in Zukunft für den An- und Abtransport der Bediensteten in
den forstleeren Raum Wanzleben zusätzliche Kosten entstehen!
Offen bleibt auch, bis wann sich der Landesforstbetrieb
konsolidiert haben soll. Im Moment gibt es nur eine
kommissarische Leitung ohne Bedienstete. Bis 01. 04. 2002 wird die
Zahl der Forstämter von 42 auf 24 reduziert, bis 01. 09. 2002
soll die Neueinteilung der Revierförstereien beendet sein,
wobei die Kriterien, wonach die Neueinteilung erfolgen soll,
weitgehend unbekannt sind. So sehr aus sozialpolitischen
Gründen zu begrüßen ist, dass es Entlassungen
für die Bediensteten der Landesforstverwaltung nicht geben
wird, so lässt sich doch leicht einschätzen, dass bei
der Auflösung von 18 Forstämtern besonders Bedienstete
des mittleren und gehobenen Dienstes übrig sind, die eine
Doppelbesetzung von Dienstposten erforderlich machen, die auch
zusätzliche Kosten verursachen werden. Auch sind die
Probleme bei den Waldarbeitern noch nicht endgültig
geklärt. In der Kabinettsvorlage werden 120 Stellen als
Einsparungspotential genannt, wobei 50 bis 60 Stellen im Bereich
der Beamten und Angestellten durch Altersabgänge bis 2006
möglich sein sollen.
Durch Versetzung in andere Verwaltungsbereiche werden
darüber hinausgehende Stelleneinsparungen bis 2006
angestrebt. Eine wesentliche ”effizientere
Wirtschaftsführung” ist damit kurzfristig nicht
möglich.
Interessant wäre auch eine nähere Untersetzung, wie
”durch allgemeines Kostenmanagement, Verbesserung der
Erlössituation und die Erschließung neuer
Geschäftsfelder” weitere Ergebnisverbesserungen zu
erwarten sind.
Es zeichnet sich ab, dass noch einige Fragen offen sind und
das es noch ein weiter Weg sein wird, bis der Landesforstbetrieb
Sachsen-Anhalt ein richtiger Wirtschaftsbetrieb werden wird, der
für das forstliche Aufgabenfeld schwarze Zahlen schreiben
kann.
Landesvorstand - Dr. G. Pietschmann |