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Ein stilles Jubiläum

5 Jahre Jugendwaldheim Wildenstall
Als ich im März 1993 meine Tätigkeit als Jugendwaldheimleiterin im damaligen Forstamt Grillenberg aufnahm, stand ich vor der Aufgabe, aus dem Objekt Wildenstall ein Jugendwaldheim entstehen zu lassen.

Es sollte also noch ganze 5 Jahre dauern, bis nach unzähligen Eigentumsdiskussionen, Behördengängen, Verhandlungen mit Kommunen und vorherigen Eignern sowie provisorischen Nutzungen z. B. bei ersten Waldjugendspielen, Schulfesten, Vereinsveranstaltungen u.ä. ein wirklich betriebsfähiges Jugendwaldheim seine Pforten für Schüler öffnete. Das nun ist wiederum 5 Jahre her und mein persönlicher Dank gilt Harald Schreier und seinem Team, die aus dem Wildenstall das gemacht haben was es heute ist - eines der besten und angesehensten Einrichtungen seiner Art im Land Sachsen-Anhalt und darüber hinaus.

Beim nun folgenden Abriss der Entwicklung des Jugendwaldheims von 1998-2003 soll das Augenmerk auf die eigentliche Arbeit (der Umgang mit den jungen Menschen) gelegt werden und nicht so sehr auf die materiell-technischen oder organisatorischen Probleme. Aus dem Blickwinkel einer Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit möchte ich die Worte des JWH-Leiters Harald Schreier's anlässlich der kleinen Feierstunde am 28. März 2003 im Wildenstall wiedergeben.

Das Jugendwaldheim "Wildenstall" im Forstamt Südharz gibt es bereits seit 5 Jahren. Am 30. März 1998 kamen die ersten Gäste - eine 9. Klasse aus dem Süderstadtgymnasium Quedlinburg und alle Erwartungen wurden übertroffen.
Die Schüler entsprachen so gar nicht den Vorstellungen der erst vor Kurzem zusammengestellten, neuen Besatzung des JWH's, hatte man sich doch auf jüngeres und unkomplizierteres Klientel vorbereitet. Hinzu kamen noch nicht optimale Ausgangsbedingungen wie z. B. die weiter andauernden Bauarbeiten, die von Fremdfirmen und eigenen Waldarbeitern gleichermaßen durchgeführt wurden und nun mit der Schülerbetreuung in Übereinstimmung gebracht werden mussten. Diese erste Woche war prägend für alle Beteligten!
Gleichzeitig liefen im Hintergrund die Vorbereitungen für die offizielle Einweihung am 09. April, zu der sich die damalige Ministerin, Frau Heydecke, angesagt hatte.

Woche für Woche stellte man sich den immer wieder neuen Herausforderungen. "Da gab es den massiven Kampf ums Holzpflaster im Hof, nasses Holz für die fehlerhaft montierte Holzheizung, Probleme mit dem Staatshochbauamt, eine neue Besatzung und nicht zuletzt die Schüler."
Verhaltensregeln für das gemeinsame Miteinander aller wurden unerlässlich! Die anfänglich vom JWH-Leiter benutzte Floskel: "... bitte verhaltet Euch so wie zu Hause ..." erwies sich als Bumerang, denn solche Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Sauberkeit, Höflichkeit und der Umgang miteinander konnten nur durch ein bewusstes "Vorleben" der Wildenstallbesatzung, in den Köpfen der Schüler Eingang finden.

Den engsten Kontakt mit den Schülern haben die Vorarbeiter. "Sie werden tagtäglich mit Problemen konfrontiert, die sie prägen, härter aber auch sensibler machen. Sie sind oft für 5 Tage ihr Ansprechpartner, ihr Seelsorger, Kumpel und Freund - aber ebenso die autoritäre Person, die im Schulalltag immer weniger zu finden ist."
Fazit: Vorarbeiter im JWH sind produktiv arbeitende Pädagogen!
Nicht jedem guten Waldarbeiter, der täglich hervorragende Arbeit verrichtet, ist das gegeben!
Und so wird die Arbeit dieser Kollegen nach wie vor unterschätzt und von "gestandenen" Waldarbeitern oder Forstbediensteten belächelt.

"Weiserpflanze" für jeden Jugendwaldheimaufenthalt einer Klasse sind die Lehrer. Von ihrem Auftreten und ihrer Einstellung hängt maßgeblich das Gelingen des Jugendwaldeinsatzes ab. Neue Verordnungen z. B. über die Bezahlung der Lehrer bei Klassenfahrten ... werden durch die Schulen unterschiedlich interpretiert, wobei nicht wenige jetzt auf Aktivitäten außerhalb des regulären Unterrichts verzichten und das, obwohl Jugendwaldeinsätze nach wie vor als Unterrichtstage gelten.
Hier ist Engagement gefragt, ausgehend vom Jugendwaldheimleiter, der nach neuen Möglichkeiten für eine optimale Auslastung des Objektes suchen muss und auch bereits fündig geworden ist. So wird auch weiterhin versucht, den Jugendlichen über die körperliche Arbeit, verbunden mit Lernstoffen und vielen, vielen Erfahrungen ein Erlebnis im Schulalltag zu schaffen.

In solch einer Einrichtung hat man die einmalige Möglichkeit über die produktive Arbeit eine andere Seite der Schüler kennenzulernen und erzieherisch zu wirken. Der sozialpädagogische Effekt ist nicht von der Hand zu weisen.
"Wenn das weiße Schnürband in den Springerstiefeln während des Waldeinsatzes im Schlamm versinkt und sein Träger über die Notwendigkeit der ein oder anderen Arbeit nachdenkt, wenn der Zusammenhang zwischen dem aufbereiteten Brennholz und dem warmen Duschen im Heim erkannt wird, dann haben wir gute Arbeit geleistet und ein weiterer kleiner Schritt ist getan!" Die Leistungen, die von den Mädchen und Jungen im Wald im Rahmen der forstlichen Tätigkeiten erbracht werden, können sich sehen lassen.
Für das Angebot der unterschiedlichen Arbeitsfelder zeichnen in erster Linie die Revierförster verantwortlich, sie weisen die Vorarbeiter ein und begutachten am Ende das Ergebnis. Sind sie mit dem Geleisteten zufrieden und sprechen ein Lob aus, dann sind nicht nur die Schüler stolz und in ihrem Tun bestätigt.

Seit der Fertigstellung des Wildenstalles, vor 5 Jahren, gab es Reihe von baulichen und gartenarchitektonischen Veränderungen in und um den Gebäudekomplex, die das Gesamtobjekt bereichern und teilweise ein heimisches Flair vermitteln. Dennoch kann man kaum Spuren einer Benutzung erkennen, die nachweislich in hohem Maße stattgefunden hat. Das das so ist, verdanken wir dem JWH-Team, seiner engen Verbundenheit zum Arbeitsplatz und großer Eigeninitiative, die bis hin zu den Familienmitgliedern reicht.
Das Jugendwaldheim Wildenstall ist Teil des Forstamtes Südharz und damit auch in die Wirtschaftsweise mit allen Vor- und Nachteilen integriert.
Deshalb geht an dieser Stelle der Dank an die Forstamtsleitung und deren Mitarbeiter, die Verantwortung übernommen und schwierige Entscheidungen mitgetragen haben. Bisher noch nicht genannt aber trotzdem von entscheidender Bedeutung ist eine gut funktionierende und schmackhafte Speisen bietende Küche. Das ursprünglich aus 2 Waldarbeiterinnen rekrutierte Küchenpersonal kann inzwischen auf alle anderen Vorarbeiter am Ort in Notfällen bzw. organisatorischen Engpässen zu-rückgreifen, was wieder einmal die universellen Einsatzmöglichkeiten dieser Berufsgruppe zeigt. "Jeder Erfolg eines Jugendwaldeinsatzes, jeder Wochenverlauf wird mit in der Küche entschieden. Wenn das Essen schmeckt, man sich wohlfühlt, dann geht man auch mit guter Laune zur Arbeit."

Noch ein paar Zahlen und Fakten aus den vergangenen 5 Jahren:

  • von 1998 bis heute be-suchten 4.119 Schüler, Lehrer und Erzieher das JWH
  • das entspricht: = 16.500 Übernachtungen bzw. 20.600 Arbeitstagen
  • pro Jahr sind das ca. 900 Schüler
  • die Klassenstärken sind von durchschnittlich 18 auf 24 Schüler angestiegen
  • (das JWH hat nur eine Kapazität von 30 Plätzen)
Jugendwaldheime sind aus unserer Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Das wird auch von den Politikern so gesehen, wenngleich sich die Bedingungen für das Betreiben solcher Einrichtungen immer schwieriger gestalten.
An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank Frau Ministerin Wernicke, deren Unterstützung wir von Anfang an sicher sein konnten. Vielleicht bestärkt die Verantwortlichen über das Sein und Nichtsein von Jugendwaldheimen der Satz eines jungen Mädchens während eines Jugendwaldeinsatzes: "... Es ist schönes Gefühl das Mittagessen selbst verdient zu haben ...", in dem Bewusstsein, das Richtige zu tun.

Sabine Pursche, OV Südharz


E-mail: webmaster@bdf-lsa.de Letzte Aktualisierung: 2003-April-23
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